Mitte der 2010"er Jahre wird Prora auf Rügen dann doch, was es schon in den 1940"er sein sollte

Das besondere an Prora ist weniger der Gebäudekomplex mit seinen - sicherlich auch für heutige Maßstäbe - beeindruckenden Ausmaßen. Es ist vielmehr das, wofür es jahrzehntelang stand: Dem geplatzten Traum einer Generation, zumindest für deren Teil, der nicht durch die Naziideologie ausgegrenzt wurde.

Arbeit für alle, dazu noch einen Volkswagen und: Prora- Urlaub mit Meerblick für 20.000 Volksgenossen gleichzeitig. Das waren die Versprechen Mitte der 30"er Jahre des letzten Jahrhunderts. Macht bei einer Woche Urlaub pro Gast, bei ganzjähriger Auslastung 1.040.000 glückliche Ostseeurlauber.

 

Die hätten dann in einem solchen Zimmer gelebt:

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Arbeiten in Prora eingestellt, der Traum vom Ostseeurlaub auch. Was dann folgte ist uns heute allen bekannt. Wie es begann auch: Nicht jeder durfte im "Dritten Reich" vom Urlaub in Prora träumen. Und so stand es da, das geplannte KdF Ferienparadies: Nie fertig geworden und zerfallen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände erst von der Sowjetarmee und dann von der NVA genutzt. Auch Bausoldaten - junge Männer, die den Dienst an der Waffe innerhalb der NVA ablehnten - waren hier stationiert.

Seit dem Ende der DDR wußte eigentlich keiner so recht, was mit den Komplex anzufangen ist- hier ein paar Impressionen von 2010:

Ein Museum wurde eingerichtet und eine Jugendherberge betrieben. Das Gelände als Solches versprühte aber weiterhin den Charme eines Kasernenhofes,

gemixt mit ein paar Zeichen "subkultureller" Aktivitäten.

Seit Mitte der 2010"er Jahre ist es aber vorbei mit der Ruhe. Block für Block

wird saniert. Für den Urlauber wird es allerdings etwas teurer als 1936 angedacht, dafür aber auch geräumiger und komfortabler. Für eine 100 qm Wohnung, 3 Zimmer in der 5. Etage sind im Jahr 2016 z.B. 642.600,00€ fällig.

Es gibt in Prora auch ein Hotel und viele der Eigentumswohnungen werden sicherlich als Ferienwohnungen auf Zeit vermietet werden. So wird Prora dann doch, was es sein sollte: Urlaubsparadies mit Blick zum Meer und ein paar Metern bis zum Strand.

Das "historische Prora"

verschwindet mit jedem sanierten Gebäude und es entsteht ein Urlaubsort,

wie 1936 geplant, aber doch ganz anders.

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