Mit dem Skateboard durch die Welt

"Empfohlen wird der Abschluß einer zusätzlichen Reiseversicherung"- dieser Satz ist wohl schon jedem begegnet, der seinen Urlaub bucht, entsprechende Sendungen schaut, sich mit Reisen beschäftigt. Für die meisten Menschen ist der Urlaub ein hohes Gut: Die schönste Zeit des Jahres. Da soll alles perfekt sein, Unwägbarkeiten sind unerwünscht. Wir alle kennen die herzzereißenden Geschichten von Mitbürgern, die, oftmals arglistig getäuscht, einen reinen Horrortrip erleben mussten. Tropfende Wasserhähne, Baustellen und, ja: Entführungen. Die Welt da draußen ist böse. Urlaub aber ist ein Produkt, welches unseren Vorstellungen besonders entsprechen soll: Am besten ganz anders, als der Rest unseres tristen Daseins, aber bitte mit den gleichen Standards.

Es gibt dann noch Urlaub der anderen und solchen der ganz anderen Art. Letztere erfordert etwas Grundsätzliches: Ein anderes Leben des solchermaßen Reisewilligen. Wer nach zwei Wochen in der Fremde wieder zu Hause sein muß, Kredite bis zur Rente abzuzahlen hat und beim Kontakt mit Eingeborenen im Urlaub seine Kamera krampfhaft umfasst und alle paar Sekunden schaut, ob die Brieftasche noch an ihrem Platz ist, sollte nicht tun, was Jonas Nagel tut: Mit dem Skateboard durch die Welt fahren.

 

Jonas hat auf diese Weise schon Albanien, Spanien, Thailand, Laos, usw. bereist. Die Routenplannung ist recht einfach: "Wenn ich an eine Kreuzung komme, links geht es bergauf, rechts bergab- dann fahre ich rechts". Und ansonsten wird halt getrampt oder er lässt sich von motorisierten Fahrzeugen ziehen- wahrscheinlich gibt es für diese Art zu reisen auch keine Reiseversicherung.

Das "ungeplante" bringt es zwangsläufig mit sich, daß ein sehr enger Kontakt zur Bevölkerung entsteht. Jonas fährt solange es geht oder er ein schönes Tagesziel erreicht hat. Da ist dann nicht unbedingt eine Pension oder ein Hotel. Oftmals wird er dann von Einheimischen eingeladen.

"Die Leute wollen nicht, daß du auf der Strasse schläfst", nennt Jonas einen der Gründe dafür. Wahrscheinlich sind die Menschen auch einfach nett und aufgeschlossen- wann sieht ein Bewohner von Laos oder Albanien schonmal einen Menschen, der in seiner Heimat mit dem Skateboard unterwegs ist?

Nebenbei ist die Kombination aus Skateboarden, Mitfahren und Trampen auch nicht besonders teuer: Ist der Flug erstmal bezahlt, kann man durchaus 3 Wochen mit 30 Euro bestreiten.

Die nächste Tour wird von Indien über Nepal, Burma und Myanmar nach Tailand führen. Von dort soll es dann weitergehen durch Malaysia, Indonesien und mit dem Schiff auf die Philippinen. Dafür arbeitet Jonas bei seinen Aufenthalten in Deutschland auf dem Bau oder als Statist für eine Fernsehproduktion.

Das seine Art zu leben aber mit den Anforderungen eines dauerhaften "europäischen Daseins" nicht kompatibel ist, wurde ihm in den letzten Jahren auch recht klar:"Man kommt wieder zurück nach Deutschland in dieses geortnete System- und man merkt es funktioniert nicht, du brauchst da irgendwas in der Tasche. Ein Studium oder eine Ausbildung". Für einen Globetrotter keine wirklich reizende Aussicht. Jonas wird jetzt erstmal eine Ausbildung zum Tauchlehrer machen, so könnte er im Ausland leben und Geld verdienen- vielleicht kommt es auch anders. Mal sehn wo die Straßen der Welt ihn hinführen.>>>